MXR Carbon Copy analog delay (M169)

Dieses Delay hat einen witzigen und gleichzeitig genialen Namen erhalten. Es bedeutet soviel wie Durchschlag. (Für die jüngeren Leser: Zu Zeiten von Schreibmaschinen konnte man eine Kopie in Echtzeit herstellen, indem man zwischen zwei Papiere ein Kohlepapier schob. Mit einigermassen harten Anschlag konnte das hintere Papier direkt als analoge Kopie benutzt werden. Das spassige an dieser Namensgebung: Carbon Copy ist oldschool, analog, nicht kristallklar und hat Style.

Anmerkung: eine ebenso fantastische Namensgebung ist übrigens die «WEM Copicat» – abgeleitet von «Copycat» mit ‘y’ geschrieben. Dies ist ein Nachahmer oder Kopierer.

das bewährte grüne Carbon Copy

Testbericht

Funktionalität und wichtige Spezifikationen

Dieses Delay hat nur gerade die nötigsten Funktionen:

Die Stromaufnahme bei 9VDC ist nur gerade 26mA. Ein Klacks im Vergleich zu einem Digital-Delay.

ⓘ Randbemerkung an dieser Stelle: Bei Delays von analoger wie digitaler Art empfiehlt es sich, ein separates Netzteil zu verwenden. Andernfalls können eigenartige Geräusche im Ausgangssignal auftreten. Falls es dann noch immer fiept, hilft es allenfalls, ein klassisches Netzteil mit richtigem Trafo zu verwenden statt einem Schaltnetzteil. Die meisten Delay-Schaltungen sind von Natur aus etwas heikel.

Schaltung, Design und Verarbeitung

Äusserlich wie die klassischen Effekte von MXR – innen Hightech Die rote Leiterplatte strotzt nur von SMD-Bauteilen. An und für sich sauber verarbeitet und gelötet. Die unzähligen kleinen Elkos schrecken mich leider etwas ab. In Sachen Nachhaltigkeit sei erwähnt: Moderne, gute Elko’s halten im Schnitt maximal 10 Jahre durch, danach sind sie mehr oder weniger ausgetrocknet und verlieren die Kapazität. Je nach Belastung, Dimensionierung der Spannung und der im Effekt herrschenden Temperatur kann diese Zeit von 10 Jahren drastisch abnehmen.

Ältere Modelle bis Rev. C können zudem Schaden nehmen durch elektrostatische Spannungen. In diesem Fall gehen kleine J-Fets kaputt und das Pedal bleibt stumm. Ab Rev. D ist dieser Designfehler, gottseidank und mithilfe von Schutzdioden, behoben.

Ein weiterer Schwachpunkt sind die Potentiometer. Werden diese versehentlich oft und unsanft getreten, dann drückt die Achse nach innen und die Potentiometer gehen kaputt.

Trimmpotentiometer: Diese kleinen Dinger können oxidieren oder bei zu starker Vibration keinen Kontakt mehr machen.

Dies waren die negativen Punkte. Die positiven: Das Pedal ist mit 3 analogen SAD1024 BBD Chips ausgestattet und durch die Schaltung auf bis zu 600ms delay gebracht. Herrlich und ausreichend für die allermeisten Sounds!

Klang und Tonqualität

Dieses Delay klingt einfach wunderbar natürlich und unaufgeregt. Es fügt sich perfekt ein in den Gitarrensound, ohne dass man nach kurzer Zeit schon müde ist diesen Effekt zu hören. Ich erlebte dies bei vielen Digitalen Delays. Das Carbon Copy hat keine krassen Features wie Tap-Delay zur Einstellung von Speed, noch kann es sekundenlange Delay Signale von sich geben. Aber das was es kann, klingt richtig gut, ohne viel oder übermässiges Rauschen. Wer mehr Features benötigt, kann sich das Carbon Copy Deluxe (M292) ansehen. Es hat einen zusätzlichen Tap-Beat Schalter, sowie etliche zusätzliche Knöpfe. Ich bin durchaus gewillt, dieses Delay eingiebig auszutesten, wenn jemand gewillt ist, es mir auszuleihen.

Fazit

Dieser Effekt ist ein sprichwörtlicher Evergreen geworden. Er klingt für mich genau so, wie ein gutes Delay klingen soll! Abstrich: In Sachen Nachhaltigkeit kann er nicht punkten. Wenn die Elko’s ausgetrocknet sind, gibt es entweder viel Arbeit oder ein Fall für die Entsorgung. Liebe MXR: Was sind die Gründe, soviele Elkos statt Schichtkondensatoren zu verbauen? Ist es das Ziel von Dunlop, auf diese Weise noch mehr Geräte zu verkaufen oder bloss der Preisdruck? Als Bühnenequipment eignet sich dieser Effekt deshalb nur begrenzt. Sorry Dunlop für dieses harte Urteil zu einem solch populären Effekt. Wie erwähnt: ich verheimliche nichts und urteile unabhängig.