ProCo TurboRAT

Turbo-Ratten-Front
neue DC-Buchse
Innenleben mit Umbau

erster Testbericht

Funktionalität

Die TurboRAT ist seit längerer Zeit ein Klassiker unter den Verzerrern. Grundsätzlich sind dieselben Einstellmöglichkeiten vorhanden wie bei einem klassischen Tubescreamer von Ibanez oder einem Distortion III von MXR. Lediglich der Filter-Regler mutet anfänglich etwas eigenartig an. Er funktioniert wie ein herkömmlicher Tone-Regler, klingt aber voll aufgedreht eher dumpf und die grelleren Höhenanteile kommen erst beim zurückregeln zum Vorschein. Dies ist zwar recht gewöhnungsbedürftig, ist letztendlich aber eine Definitionssache. Ich erinnere mich, dass die Delay-Zeit bei verschiedenen Delay-Effekten ebenfalls nicht immer bei voll aufgedrehtem Regler auf dem Maximum ist.

Klang und Tonqualität

Die Turbo-Ratte gehört, wie der Name schon sagt, zu den etwas haarigeren Verzerrern. Sie klingt harsch oder sagen wir mal recht drahtig bei zurückgedrehtem Filter-Regler. Vorteilhaft ist dafür, dass sie einen grösseren Dynamikbereich aufweisen kann als viele Effekte der Konkurrenz. Dies liegt daran, dass zur Übersteuerung zwei antiparallel geschaltete, rote Leuchtdioden verwendet werden anstatt zweier normaler Dioden. Da Single-Coil Pickups einen kleineren Ausgangspegel erzeugen, eignen sich logischerweise lange nicht alle Verzerrer. Dieses Gerät ist jedoch bestens dafür vorbereitet. Die TurboRAT kann als reiner Volume-Booster verwendet werden zur Übersteuerung eines Röhrenverstärkers. Leider mag die Ratte wenig harmonische Obertöne erzeugen, rauscht dafür aber nur in geringem Masse – was eher eine Seltenheit ist bei sogenannten High-Gain Verzerrern. Wohl bemerkt handelt es sich bei diesem Gerät noch um ein älteres Modell mit dem LM308 Opamp. Neuere Geräte mit dem OP07 Opamp rauschen sogar noch weniger.

Design und Verarbeitung

Die hochwertige Elektronik ist in ein schweres Stahlblechgehäuse verpackt und sieht professionell aus wie die restlichen Modelle von ProCo. Das Gehäuse ist netterweise nicht zu gross geraten, aber eigenartigerweise etwas höher als die meisten Verzerrer der Konkurrenz – nachteilig erscheint mir das jedoch nicht.

erstes Fazit

Die recht harte Gangart der TurboRAT entspricht nicht meinem Geschmack, die Dynamik ist dafür beeindruckend gut! Dies kann man längst nicht von allen Distortions behaupten. Weiterhin ist es möglich, das Gerät mit etwas angewandter Kenntnis in Elektronik in eine etwas zahmere Ratte zu verwandeln – was ich schliesslich tat. Wie diese Modifikation gemacht wird, folgt sogleich.

Umbau und zweiter Eindruck

Nach dem Kauf dieser «Turboratte» auf dem Flohmarkt musste ich mit Bedauern feststellen, dass mir das kleine schwarze Gerätchen etwas zu stark verzerrt. Die beiden übersteuerten, roten 5mm-LED’s klangen in meinen Ohren eher nach einem Sägewerk. Naheliegend, dass das günstig erworbene Ding in eine zahmere Ratte umgewandelt werden soll..

Ebenfalls gefällt mir nicht, das beim Aufdrehen des Filter-Reglers die Höhenanteile abgeschnitten werden. Dies mag zwar für diese Geräte typisch sein, jedoch ist mir dies zu gewöhnungsbedürftig, da mein VOX Beigeben sowie sämtliche Overdrives, die ich kenne, andersherum funktionieren. Dies lässt sich einfach ändern. Zusätzlich eckt mich der 3mm Klinkeranschluss für die 9V-Speisung an. Ich habe mich halt auf die Buchsen meiner MXR-Effekte eingestellt und mein Netzteil mit den Patchkabeln lässt nur solche zu. Zeit, meinen De-facto-Standard einzubauen.

Demontage

Die Demontage des Geräts geht vonstatten. 4 Schrauben am Gehäuseboden müssen raus. Ebenfalls drei Muttern der Potentiometer und des Trittschalters. Leider reicht dies noch nicht, die Leiterplatte aus dem Gehäuse zu heben. Die Muttern der Klinkenbuchsen (Input, Output und Power) müssen noch weg.

Modifikationen

Grundsätzlich ist die Schaltung der TurboRat kein Mysterium, sondern der Schaltung des MXR Distortion ähnlich. Die ProCo RAT unterscheidet sich ebenfalls nur geringfügig von der Turbo RAT – nur das bei der RAT 2 normale Silizium-Dioden für die Verzerrung verbaut sind und deswegen weniger aggressiv verzerren. Wie erwähnt, clippen die eingebauten Leuchtdioden zu stark. Da mir dieses Mal eine asymmetrische Verzerrung vorschwebt (nämlich röhren-ähnlich!) habe ich mich für folgende, etwas kompliziertere Version entschieden: Drei Si-Dioden des Typs 1N4148 in Serie. Antiparallel dazu eine Diodenstrecke eines Fets vom Typ BS170 (Source-Drain) in Serie zu einer weiteren Si-Diode vom Typ 1N4148. Die Leiterplatte hat glücklicherweise genügend Platz, diese Bauteile unterzubringen.

Um den Filter-Regler in einen Tone-Regler umzufunktionieren, müssen die äusseren beiden Anschlüsse vertauscht werden. Da diese aber direkt in die Leiterplatte gelötet sind, müssen sie vorsichtig (!) mit einer Flachzange und dem Lötkolben ausgelötet werden und dann mithilfe zweier isolierter Drähte ausgekreuzt werden. In der Bastelkiste habe ich zum Glück noch eine DC-Buchse gefunden anstatt der 3mm-Klinkenbuchse. Natürlich muss das Loch im Gehäuse aufgebohrt werden auf die passende Grösse.

Zweites Fazit

Nach diesen Änderungen ist die «neue TurboRatte» zurecht auf meinem Effektboard gelandet und hat den eh kaum benutzten MXR-EQ verdrängt. Jetzt klingt es endlich so, wie es soll: Leicht angezerrt mit angenehm harmonischen Obertönen. Letztlich dennoch ein guter Kauf.