Simon’s Silicon Fuzz Face BC107
Eigenbau und Testbericht
Motivation und Aufbau
Ein originales Fuzz Face ist gross, schwer und rund. Dies ist zwar extrem stylish und dauerhaft, hat aber auf meinem Effektboard einfach keinen Platz. Da 2009 noch kein «Jimi Hendrix Fuzz Face Mini» von der Firma Dunlop existierte, mir aber trotzdem der Sound vom Fuzz Face und dessen Aussehen gut gefiel, beschloss ich es selber nachzubauen. Da mir die Form der «1590B Gehäuse» von Hammond Manufacturing zusagt, designte ich den Fuzz kurzerhand in dieses eckiges Gehäuse. Ein kleines Lochraster-Board genügt, um die zwei BC107 Transistoren sowie einige wenige Bauteile aufzunehmen. Das Schema des originalen Silicon Fuzz Face findet sich (wer hätte es gedacht) auf dem Internet.
Der aufwendigste Teil beim Eigenbau ist normalerweise die mechanische Bearbeitung vom Gehäuse und die Lackiererei. Dies war bei diesem Effekt ebenso der Fall. Das Design mit der bedruckten Aufklebefolie hat Spass gemacht. Jedoch nicht ganz easy zum Anbringen. Trotzdem ist mir das alles einigermassen gut gelungen wie ich finde… Ach ja &ndash der Polyurethanlack brauchte eine halbe Ewigkeit, bis er komplett durchgetrocknet war. Habe ich da etwa zu dick (Lack) aufgetragen?
Die ganze Verdrahtung war, ist und bleibt eine andere Geschichte. An dieser Stelle mal ein paar Gedanken als Ausschweifer dazu: Aus meiner Sicht hat bis zur Einführung der SMD-Technologie bei Effektgeräten kein Hersteller die Verkabelung und die Leiterplatten-Montage richtig gut hingekriegt. Ich auch nicht.
Rechnungsbeispiel von einem Verzerrer mit Tone-Regler:
- Gain, Volume und Tone-Potentiometer: 3x3 Anschlusskabel
- DC Buchse: 3 Anschlusskabel
- Klinkenbuchsen: sind teilweise eingelötet, ansonsten nochmals 4-6 Anschlusskabel
- LED: falls diese abgesetzt ist: 2 Anschlusskabel
- Fusstrittschalter: 6 Anschlusskabel
Alles in allem locker mal schnell 20 oder mehr Kabel, die üblicherweise direkt in die Leiterplatte eingelötet werden. Aus fertigungstechnischer und industrieller Sichtweise ist dies ein Unsinn. Hinzu kommt noch die Montage von sämtlichen Muttern, Unterlagsscheiben sowie Schalter. Bei Reparaturen geht mir dies ebenso. Da die Effekte immer günstiger werden sollen, passiert endlich ein Sinneswandel. Die meisten Effektgeräte sind aber immer noch schrecklich aufgebaut
Aus meiner Sicht gehören Effektgeräte für den professionellen Einsatz anders gebaut:
- Leiterplatte
- hochwertige, doppelseitig kaschierte Leiterplatte. Auf diese Art können Leiterplatten repariert werden, ohne dass Lötaugen abfallen.
- mindestens 1.6mm dick
- bestehend aus FR-4. Solche Leiterplatten sind zäh und halten Reparaturen besser aus.
- aufgetragener Lötstopplack hilft Kurzschlüsse zu vermeiden.
- hochwertige Klinkenbuchsen für Leiterplattenmontage. (Wie ist man auf den dämlichen Standard dieser «Klinkenbuchsen» gekommen? Kleinere, robuste Stecker wären besser geeignet. Zu gross die Hebelwirkung. Zu spät für einen neuen Standard!)
- hochwertige Stecker und Steckverbinder sind besser als eingelötete Kabel.
- Flachbandkabel, wenn die Verkabelung nicht verhindert werden kann und Stecker dran, um eine Reparatur nicht zu erschweren.
- direkt eingelötete LED’s, die mithilfe von Lightpipes zur Front hin leuchten.
- hochwertige Potentiometer mit griffigen Knöpfen. Diejenigen von MXR eignen sich am besten.
- keine Elkos,die austrocknen können.
- MELF-Widerstände mit weit überdimensionierter Leistung.
- SMD-Bauteile mit ausgewählten Bauformen, die sogar ein pensionierter Servicetechniker mit Lupe noch löten kann. Ja, die gibt es wirklich!
- Folienkondensatoren.
- Bewusster Verzicht auf das Batteriefach. Wer braucht das denn?
- robustes Gehäuse aus Aludruckguss oder dickem Stahlblech.
- Verpolungsschutzdiode! Liebe Hersteller, obwohl ihr gerne immer wieder neue Effektpedale verkauft – eine solche Diode gehört da rein. Basta!
Ein solches Pedal habe ich noch nie gesehen. Erste Ansätze sind bei einzelnen Hersteller zu erkennen. Jetzt aber zurück zu meinem Effekt.
Klang und Tonqualität
Es sägt und fuzzt, wie man sich den Sound von Jimi Hendrix vorstellt. In Kombination mit einem Tubescreamer ist der Fuzz die reinste Freude. Einziger Kritikpunkt ist, dass der Fuzz etwas zu viel Bass-Anteile hat. Dieses Verhalten ist bekannt und lässt sich mit der Veränderung eines Koppelkondensators am Eingang beheben. Ich habe meine Schaltung aber belassen wie das originale Fuzz Face.
Fazit
Eine Referenz und ein Klassiker zugleich und das in neuem Gewand. Ich hüte mich davor, ihn wegzugeben!