Fender Rhodes MK1 Stage Piano

ein Fender Rhodes MK1

Nachdem ich mich dagegen entschieden habe, eine Hammond B3 zu kaufen – welche in einem desolaten Zustand war und alles andere als einfach zu reparieren ist – hatte mich dafür dieses Schätzchen von Fender gefunden. Dieses Stage-Piano konnte ich für ein Butterbrot während meiner Ausbildung als Elektroniker kaufen. Es hat mich das erste Mal auf die Idee gebracht, eine eigene Band zu gründen. Bis dahin sollten aber noch Jahre vergehen.

erste Inspektion und Reinigung

Das Piano hatte zwei Jahrzehnte in einer Garage gestanden und offenbar schon etliche Gigs hinter sich. Dementsprechend sah es auch aus. Beim Entfernen der schwarzen Kunststoffhaube sind unter anderem Zigarettenstummel, Laub und Gummiteile zum Vorschein gekommen. Ein 20-Räppler und ein Plektrum waren spannenderweise ebenfalls dabei.

Es stellte sich raus, dass die Gummiteile an einigen Hammermechaniken abgefallen sind. Glücklicherweise waren noch alle da. Leider ist bei zwei Tasten die zugehörige Stimm-Stange (richtig, das Prinzip der Klangbildung basiert auf einer Stimmgabel) abgebrochen. Dank einem Ersatzteile-Lieferant aus der westlichen Schweiz konnte ich diese einigermassen einfach ersetzen.

Technik

Dieses Stage-Piano wurde wie erwähnt mithilfe von unzähligen Stimmgabeln (für jede Taste eine) realisiert. Als Tonabnehmer dienen in Reihe geschaltete Pickups bestehend aus einer Spule, welche auf einen Magnetstab gewickelt ist. Aus heutiger Sicht beinahe unbezahlbar.

Unglaublich, aber auf diese Weise konnte bereits 1975 und mit passiver Technologie sowie einer aufwändigen Hammermechanik ein Piano auf die Bühne gebracht werden. Zwar schwer (geschätzte 50kg), dennoch leichter als ein richtiges Klavier.

Speziell: Durch stärkere Tastenanschläge wird das Piano nicht nur etwas lauter, sondern gibt einen veränderten Sound von sich. Einerseits führe ich dies auf anders schwingende Bewegungen der Stimmgabeln zurück, andererseits entstehen möglicherweise stärkere Verzerrungen von den gesättigten Pickups. Das sind jedoch nur Mutmassungen, welche ich nicht nachgeprüft habe. Ich stelle mir vor, dass diese Finesse zu einer besseren oder schlechteren Emulation auf elektronischen Pianos führt.

Ich mache Stimmung

Da das Piano komplett verstimmt war, hatte ich es zunächst nach meinem Gehör und mithilfe eines Klaviers gestimmt. Dazu müssen bei diesem Modell die kleinen Drahtwickel vorsichtig weiter nach vorne (tiefere Frequenz, langsamere Schwingungen) oder nach hinten (höhere Frequenz, schnellere Schwingungen) verschoben werden. Ich habe dafür eigens einen alten Schraubenzieher mit einem Schlitz versehen. So kann sicher gestellt werden, dass man beim Stimmen nicht abrutscht. Nun hörte sich das Piano schon um Welten besser an, jedoch hörte es sich immer noch leicht verstimmt an und recht dumpf.

Da mein Gehör nicht perfekt ist, habe ich später ein Gitarrenstimmgerät von Seiko verwendet. Vermutlich kann dafür ein x-beliebiges, digitales Stimmgerät verwendet werden. Wenn alle Töne justiert werden müssen ist dies ein ganzes Stück Fleissarbeit!

Klangverbesserung

Anhand von Soundbeispielen im Internet kam es mir vor, als ob das Piano tatsächlich sehr dumpf klingt. Mithilfe vom aufgestöberten Servicemanual konnte ich die Höhe der einzelnen Stimmgabeln so verändern, dass sich ein heller Klang einstellte. Möglicherweise hatte der Vorgänger sein Piano auf seinen grell klingenden Amp angepasst oder wollte einfach jazzier klingen.

Testbericht

Klang

Da ist er: der wohlbekannte Sound eines typischen Fender Rhodes! Nach all den Jahren immer noch ungeschlagen und beinahe unnachahmbar. Angeschlossen über eine gute DI-Box ans PA oder direkt an einen geeigneten Röhrenverstärker macht dieses Teil Musik, sodass ich süchtig werden kann danach.

Mein Bandkollege hat sich mittlerweile ein Yamaha CK88 angeschafft, welches diesen Sound emulieren kann. Erstaunlicherweise tönt es besser als alle Emulationen, welche ich bereits kenne. Trotzdem – bei den tieferen Tönen klingt es irgendwie falsch und allgemein eher steril. Dies ist wohl nicht zuletzt an einer allzu perfekten Stimmung der einzelnen Töne verschuldet. Da

Fazit

Obschon mir unterdessen 7000CHF für das Teil angeboten wurde, werde ich das Piano behalten. Da ich zudem ein Fan bin von der sehr durchschaubaren Technik des Rhodes bin und von den unzähligen, passiven elektrischen Tonabnehmer kann ich mir nicht vorstellen, mich mit einer Emulation zufrieden zu geben. Was ich jedoch gelernt habe mittlerweile: Alleine lässt sich dieses Teil nicht tragen, sonst macht sich der Rücken bemerkbar.