Hohner Special 20 Progressive
Einleitung
Eigenartig. Es gibt sie schon soo lange und trotzdem kannte ich sie nicht. Und dies obwohl ich schon viele verschiedene Mundharmonikas gespielt habe. Und obwohl dies ein absoluter Klassiker ist. Es ist mir immer noch ein Rätsel…
Hohner hatte die Problematik der Kanzellenkörper aus Holz schon früh erkannt. 1974 schon wurde die Special 20 als «Marine Band Special 20» angepriesen. 1997 wurde das Modulare System (MS) von Hohner eingeführt. Zur Unterscheidung wurden alle nicht kompatiblen Modelle mit dem Zusatz «Classic» versehen. Seit der «Progressive»-Baureihe seit 2014 wurde die Mundharmonika in «Special 20 Progressive» umgetauft.
Aufbau und Verarbeitung
Im Unterschied zu den meisten neueren Progressive Modellen kommt die Special 20 nicht komplett ergonomisch daher. Der Kanzellenkörper ist generell weniger stark abgerundet. Da meine bisherige diatonische Lee Oskar beinahe dieselbe Form hat (woher haben die das bloss?) habe ich mich längst daran gewöhnt. Die Deckelplatten haben bei der Schallöffnung ebenfalls je 2 Stege. Vermutlich ist sie dadurch etwas stabiler.
Der 10.2cm lange Kanzellenkörper fühlt sich bestens an beim Spielen. Er kratzt kein bisschen an den Lippen.
Ein paar kleinste Abstriche: Die Deckel sind an den Ecken etwas scharfkantig. Anhand von Fotos wurde dies bei den Modellen «Rocket» und «Rocket Amp» anscheinend behoben. Hier hat Hohner offenbar grosse Fortschritte in der Drücktechnik gemacht. Eine «Meisterklasse MS» oder eine «Seydel Session Steel» haben intelligenter geformte Deckel.
Der Kanzellenkörper von meinem Exemplar hat teilweise feinste (Spritzguss-)Spuren in vertikaler Richtung. Dies stelle ich bei der Lee Oskar nicht fest. Da ist die Oberfläche glänzender. Ist dies der möglicherweise schon betagten Spritzguss-Form geschuldet? Aber um Himmelswillen, das ist wohlgemerkt nur ein kleinliches Detail.
Die Stimmplatten müssen sich erst mal beweisen. Nach ein paar Tagen kann ich noch keine Aussage machen, wie lange die Stimmzungen die Stimmung halten werden.
Ein grosses Lob an dieser Stelle zum mutigen Wechsel auf Torx-Schrauben und -Hülsen. Mit einem Torx T7 Schraubenzieher (so sagt man in der Schweiz dem Schraubendreher) können die Schrauben endlich ohne Ausrutscher geöffnet werden. Wer einen feinen Akkuschrauber mit Drehmoment-Einstellung hat, kann sich daran versuchen – zumindest bei der Montage der Deckelplatten.
Das Etui ist innovativ und schützt die Harp gut vor Schlägen beim Transport. Trotzdem haben mir die klassischen Etuis besser gefallen. Wie dem auch sei: ich bin kein Fan von viel Kunststoff für Verpackungen und Etuis. Ein Leder-Etui hätte mir besser gefallen. Oder werden jetzt die Tierschützer auf den Plan gerufen?
Bespielbarkeit und Sound
Ein Klassiker! Ich verstehe, weshalb diese Mundharmonika von anderen Herstellern unzählige Male kopiert worden ist. Lee Oskar ist hier keine Ausnahme. Die Special 20 tönt einfach stimmig und rund. Die einzelnen Töne lassen sich wunderbar biegen. Die Harmonika ist extrem luftdicht. Sie ist daher mit Abstand am leichtesten zu spielen aus meinem Arsenal an Mundharmonikas.
Sogar Overblows und Overdrafts sind ohne Nachbearbeitung in gewissem Rahmen möglich. Dies habe ich mit sämtlichen anderen Mundharmonikas nicht überzeugend oder nur mit Nacharbeit hinbekommen. Trotzdem werde ich mir die Löseabstände und Zentrierung der Stimmzungen bei Gelegenheit ebenfalls genauer unter die Lupe nehmen.
Fazit
Für mich ein Referenz-Instrument. Warum eine andere Harp kaufen, wenn’s aus dem Nachbarland eine original Special 20 Progressive gibt, die mit viel Hingabe und Präzision hergestellt wird in einer sympathischen Manufaktur? Wenn es mit dem Ersatzteilshop von Hohner ebenso zuverlässig hinhaut, werde ich ein treuer Kunde! Deshalb: Liebe Firma Hohner: Bitte produziert die Special 20 weiterhin für die nächsten 50 Jahre. Es ist ein Top-Instrument und verdient diesen speziellen Namen!
Links
Ersatzteile findest du im Shop von Hohner unter Special 20.