Spasseshalber und weil ich keine konkrete Ahnung habe, unter welchem bestehenden Thema ich «DIY Lautsprecher» einsortieren soll, liste ich sie halt als Möbelstück auf. Stimmt ja auch zur Hälfte.
Da mir meine uralten und hässlichen Philips-Lautsprecher aus den 80ern schon länger ein Dorn im Auge sind, hatte ich beschlossen, selbst was zu bauen. Gut müssen sie klingen, einigermassen ansehlich sollen sie werden und dazu den preislichen Rahmen nicht gerade sprengen.
Ursprünglich hatte ich eigentlich vor, eine 3-Wege-Box zu bauen, jedoch ist dieses Vorhaben durch einen Tief-Mittentöner von Monacor etwas durcheinander geraten. Er hat einen fast schon extrem linearen Frequenzgang zwischen 100Hz bis zirka 6kHz. Bei einen Durchmesser von nur gerade 16cm und ist er daher ideal. Ergänzend dazu kommt ein DT-99 Hochtöner – ebenfalls von Monacor. Die RMS-Leistung der beiden Chassis beträgt zwar lediglich 40 Watt, jedoch genügt dies für Zimmerlautstärke bis hin zur Balkon-Pary locker.
Damit das Volumen sowie die Länge des Basreflexrohrs ermittelt werden konnte, bediente ich mich der Software namens WINISD. Nach einigen Versuchen habe ich ein Volumen von 22 Liter und einer Bassreflexrohr-Länge von 17cm ausgewählt. Eine vernünftige Grösse, wie ich in einem Testbericht zu meiner Freude (nach der Materialbestellung) in einem Testbericht gelesen hatte. Die Höhe von 1 Meter und die Kantenlänge von 20cm entsprachen dabei ebenfalls nahezu meinem Ideal eines schlanken Standlautsprechers.
Aufgrund der guten Bearbeitung sowie den guten klanglichen Eigenschaften habe ich als Grundmaterial mehrschichtige Sperrholzplatten aus Birkenholz (19mm dick) ausgewählt.
Die Sperrholzplatten wurden im nahegelegenen Baucenter millimetergenau zugeschnitten. Die Löcher habe ich mangels Oberfräse mit einer Stichsäge ausgeschnitten und mit einer groben Halbrundfeile nachbearbeitet. Die Oberfläche der Platten habe ich mithilfe von gewöhnlichem Schleifpapier und Schleifklotz abgeschliffen. Der zur Verfügung stehende Schwingschleifer war mir schlichtweg zu laut und die Nachbarn taten mir ebenfalls leid. Damit die Oberflächen sehr fein werden, müssen diese zuerst mit einem feuchten Schwamm befeuchtet werden, damit sich die losen Holzfasern zusätzlich anheben. Nach vollständiger Trocknung kann der Schleifprozess beginnen. Ich verwende dazu 80er, 120er, 180er, 220er und 360er Schleifpapier.
Nach dem Verleimen der Platten (Die Rückwand kommt später an die Reihe) müssen sämtliche Leimreste auf der Aussenseite entfernt werden. Sie würden sonst stören bei der Oberflächenbehandlung.
Da ich die einigermassen schöne Holzfarbe belassen will, behandle ich die Oberfläche lediglich mit farblosem Hartwachs. Der Wachs wird am besten aufgetragen mit einem kleinen Stofflappen. Den Vorgang muss etwa 3 Mal wiederholt werden und dazwischen mit 360er Schleifpapier die Oberfläche nochmals leicht abgeschliffen werden.
Weil die Kanten von Sperrholzplatten nicht gerade toll aussehen, hatte ich ursprünglich vor, diese mit sogenannten Kantenumleimer zu veredeln. Da ich jedoch trotz Anleitung nicht die gewünschten Ergebnisse erziehlen konnte, lasse ich diesen Schritt aus. Zudem sahen die Umleimer, welche aus Kunststoff hergestellt sind, nicht sehr natürlich aus. (Eventuell könnten dafür die Kanten auch mit schwarzer Farbe oder Beize überdeckt werden. Dies ergibt einen schönen Kontrast zum hellen Birkenholz.)
Die Rückwand ist aus denselben Sperrholzplatten gemacht. Die Aussparungen der Terminals gestalteten sich relative einfach: ein rechteckiger Ausschnitt in der unteren Hälfte (Vorsicht: nicht auf genau auf derselben Höhe wie das Bassreflexrohr positionieren!) Zur Befestigung der Rückwand dienen 6 Einschraubmuttern, welche in sechs eingeleimten Vierkanthölzern eingedreht sind (Positionierung: eines in jeder Ecke und je eines mittig).
Die Frequenzweiche habe ich anhand einer bestehenden Noname-Weiche angepasst auf eine Übergangsfrequenz von 5kHz bei 8 Ohm. Die eingelöteten Bipolar-Kondensatoren habe ich dabei ersetzt durch Folienkondensatoren. Simuliert wurde das ganze mit LTSpice. Simulation Frequenzweiche. Da der Hochtöner gemäss Datenblatt fast 4dB lauter ist, muss er mit einem Spannungsteiler (bestehend aus 2 Leistungswiderständen) zusätzlich bedämpft werden.
Als Anschlussterminal verwende ich zwei Aluplatten (1.5mm dick, 100mm breit, 70mm hoch) sowie je 2 isolierte Schraubklemmen von Hirschmann. Befestigt wurden die Terminals an 4stk M4 Senkkopfschrauben.
Eine Bassreflexbox darf gemäss diverser Quellen auf dem Internet nicht zu stark mit Dämmwolle vollgestopft werden. Diese Erfahrung musste ich erst selber machen und wunderte mich deshalb über die fehlende Basswiedergabe. Wenn also die Luft zwischen dem Bass und dem Bassreflexrohr ungehindert zirkulieren kann dann tönt’s auch so wie’s soll.
Würde ich nochmals alles genau gleich machen? Sicher nicht: